www.notel-koeln.de
Tel/Fax: 0221/121311
e-mail

Startseite

Aktuell

Kontakt

Engagement

Praktikum

Spenden

Statistik

Sitemap

Impressum


www.notel-koeln.de
Tel/Fax: 0221/121311
e-mail

Ehrenamtler und "Hauptamtler" im NOTEL


eines der neun Notelbetten, die neun Betten sind
 verteilt auf zwei Männer- und ein Frauenzimmer Jeden Abend stehen im NOTEL neun Betten für obdachlose Drogenabhängige bereit.

Damit das NOTEL allabendlich zu einem "Raum der Ruhe" für diese werden kann, braucht es täglich dreier MitarbeiterInnen. Diese MitarbeiterInnen, die aus "Hauptamtlichen", Honorarkräften, Zivildienstleistenden und EhrenamtlerInnen bestehen, haben unterschiedliche Aufgaben im Verlauf eines Abends zu bewältigen.

Ich möchte diese Aufgaben und ihre Verteilung aus der Sicht des hauptamtlichen und des ehrenamtlichen Mitarbeiters schildern, um ein möglichst anschauliches Bild der Arbeit im NOTEL zu vermitteln. Ich selber habe einige Jahre als Ehrenamtler im NOTEL gewirkt und bin seit 1998 hauptamtlicher Mitarbeiter.

Der Ehrenamtler versieht den sogenannten "Nachtdienst". Seine Arbeiten bestehen aus hauswirtschaftlichen Tätigkeiten: saubere Wäsche in die Schränke einräumen, die schmutzige Wäsche der Gäste waschen und trocknen, dafür sorgen, dass das Essen heiß auf den Tisch kommt, spülen und Kaffe kochen. die Kapelle: ein Raum der Ruhe in der Mitte des Notels

Während der Nacht "ruht" der Ehrenamtler in der Kapelle, wo in kleinen Fächern auch Tabak und Feuerzeuge der Gäste eingeschlossen werden. Er geht einmal in der Nacht durch alle Räume, achtet auf die Nachtruhe, weckt bei Bedarf den im Büro schlafenden "Hauptamtler" und sorgt dafür, daß die gesamte Wäsche am Morgen getrocknet und gefaltet für die Gäste bereit liegt und der Kaffee auf dem Tisch steht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß eine solche Nacht - bis auf einige Döse-Phasen - eine schlaflose Nacht ist. Die Unruhe, die einige Gäste des nachts zu ihrem Tabak treibt oder zu einem Imbiß in die Küche, schlägt sich auch auf den in der Kapelle ruhenden Ehrenamtler nieder. Selbst während einer vergleichsweise störungsfreien Nacht, die die zu dritt oder viert in einem Zimmer liegenden Drogenabhängigen mal längeren Schlaf finden läßt, bleibt eine gewisse Unruhe, da die Situation für den Ehrenamtler doch recht ungewöhnlich ist. Ein ehrenamtlicher "Nachtdienst" findet aus beruflichen oder persönlichen Gründen in der Regel nur einige Male im Jahr statt, so daß hier keine Gewöhnung - wie bei regelmäßigen Diensten - eintritt. Die Angespanntheit des nachts war - zumindest bei mir - immer da.

Die oben aufgezählten Aufgaben sind vorrangig, nehmen allerdings nicht den ganzen Abend bzw. die Nacht in Anspruch. ein ruhiger Fernsehabend im Notel Ein Teil der Zeit wird mit den Gästen im Aufenthaltsraum verbracht; dort wird gemeinsam gegessen, fern gesehen und - wenn die Gäste das möchten - sich mit ihnen unterhalten. Manchmal ist sogar ein Spiel (Mensch ärgere dich nicht, Domino, Skat) möglich.
Die Stimmung während des Abends wird in erster Linie vom Zustand der Gäste geprägt; das heißt: wie sehr beeinträchtigen die Drogen ihre Kommunikationsfähigkeit. So geschieht es recht häufig, daß nach einer kurzen Phase des verbalen Aufdrehens, ein Zustand der Einsilbigkeit und Müdigkeit eintritt, der oft schon am Tisch mit dem Einschlafen endet. Schon das Abtrocknen nach dem Essen - die Gäste versehen abwechselnd abends und morgens den Abtrockendienst - ist für viele mühsam, da sie abends sehr schläfrig sind und morgens Entzug schieben.

die Wirkung der Drogen: Einschlafen beim Abendessen Ein Abend im NOTEL bedeutet für den ehrenamtlichen Mitarbeiter vor allen Dingen, da zu sein, den Abend mitzutragen. Das ist gar nicht so einfach, wird unter ehrenamtlicher Mitarbeit doch oft eine tätige und engagierte Hilfe verstanden. Einfach nur dasitzen und zu sehen, wie die Drogen in den Übernachtern ihre Wirkungen zeigen, hat sehr viel mit Aushalten und weniger mit tätiger Hilfe zu tun.

Die Aufgaben der "Hauptamtler" - es sind an jedem Abend immer deren zwei im NOTEL - bestehen neben einigen hauswirtschaftlichen Aufgaben vor allem in der Begleitung, Betreuung und Beaufsichtigung der Gäste während des Abends. Konkret bedeutet dies: Aufnahme der Gäste zwischen 20.00 und 22.30 Uhr und Achten auf das Einhalten der Regeln, die allen - MitarbeiterInnen und Übernachtern - einen ruhigen und sicheren Abend gewährleisten sollen. Damit das NOTEL für alle ein "Raum der Ruhe" ist und bleibt, ist die Anwendung und Androhung von Gewalt, die Klärung von Konflikten in irgendeiner Art und der Handel, Konsum und das Gespräch von/über Drogen untersagt. Hier muß der "Hauptamtler" immer ein waches Auge und Ohr haben und notfalls schnell reagieren, damit es zu keiner Eskalation kommt.
Auf der anderen Seite steht der "Hauptamtler" für ein Gespräch - auch ein längeres - in einer Krise zur Verfügung; hier bewährt sich, dass im NOTEL zwei hauptamtliche MitarbeiterInnen Dienst tun: eine/r hat so immer Zeit für den Gast, der ernsthaft aus der Sucht heraus möchte oder gar des Lebens müde geworden ist.

Die "Hauptamtler" tragen die Verantwortung in der Notschlafstelle; hierin liegt der entscheidende Unterschied bei der Aufgabenverteilung: der Ehrenamtler setzt keine Regeln durch und entscheidet nicht über eventuell anstehende Zurechtweisungen oder gar Hausverbote.
Dies war denn auch für mich bei meinem Wechsel von der ehrenamtlichen zur hauptamtlichen Mitarbeit der wichtigste Unterschied: ich trage nun mit dem/der KollegIn - des abends gemeinsam und nachts alleine - die Verantwortung für die Ruhe, Sicherheit und das Wohl aller im NOTEL Anwesenden, seien dies nun Gäste oder MitarbeiterInnen.

Gemeinsam an der Arbeit im NOTEL - ob "hauptamtliche" oder ehrenamtliche - ist der "tragende" Aspekt. Die drei MitarbeiterInnen erleben zusammen die allabendliche, meist unvorhersehbare Stimmung und den oft angegriffenen Gesundheitszustand der Gäste. Dieser wird bestimmt durch die starken physischen und psychischen Beanspruchungen infolge des täglichen Beschaffens und Konsumierens von harten Drogen. Gemeinsam - mit den Gästen - "tragen" die MitarbeiterInnen den Abend, der in der Regel nicht geprägt wird von existentiellen Fragen, tiefgehenden Gesprächen oder bahnbrechenden Perspektiven, sondern von der Alltäglichkeit des Leids - aber auch der Freude unserer Gäste, einen warmen, sauberen Platz zum Essen und Schlafen gefunden zu haben.

Berthold Koperski (verfaßt 1999)

Seitenanfang