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Ehrenamt

Einsatz zwischen Helfersyndrom und Eigennutz

Ein Plädoyer für freiwillige Arbeit

von Kiki Schierbaum

"Warum machst du das?", eine häufig gestellte Frage. "....unentgeltlich arbeiten neben dem Alltagsstress?"

Wäsche waschen

Freiwillig arbeiten heißt frei! Willig! Aus und im freien Willen! Einmal für ein Ehrenamt entflammt, ist es schon bald ein fester Bestandteil im Lebenskalender. Dafür gibt es vielerlei Motivation - aus inneren oder äußeren Antrieben.

Eine These am Beispiel NOTEL, um das es hier gehen soll, ist: Ehrenamt ist Gewinn und Bereicherung für den Arbeitenden! Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, birgt in Wahrheit vielfältige Energie, die sich erschließt, sobald man die vielen Aspekte einmal genauer betrachtet.

Zunächst ein verwegener Ansatz: So ist das Ehrenamt ein besonderer Luxus, den die meisten Menschen sich wünschen und im allgemeinen nicht haben: Selbstbestimmte Arbeit. Es gibt Erkenntnisse darüber, dass ein wesentlicher Faktor für das Burnout-Syndrom nicht die Überlastung selbst ist, sondern der Druck durch Fremdbestimmung. Das Spüren und Entwickeln der inneren Ressourcen schützt vor eigenen Krisen. Das ehrenamtliche Tun als Prävention zur Ausgeglichenheit? Ein Gewinn also.

Ehrenamt heißt Herausforderung in Sachen Begegnung von Mensch zu Mensch - echt und ohne alle vermeintlichen Statussymbole, die man aus seinem "sonstigen Leben" mit sich trägt. Hier kann man deutlich spüren, ob man Fassaden braucht oder mit seiner puren Präsenz in wahrhaftige Nahbarkeit kommt. Eine echte Mutprobe - Abenteuer "ich". Noch ein Gewinn.

Arbeit in ungewohntem Umfeld fördert und fordert Offenheit und Flexibilität. Es bedeutet, sich einzustellen auf Fremdes und es nicht abzulehnen (=fürchten). Oftmals spürt man wohltuende Läuterung durch das Entstehen des Bewusstseins für die eigene privilegierte Lebenssituation. Insbesondere geeignet für Führungspersonen, sich auf eine andere, vielleicht nur zuarbeitende Rolle einzustellen ... Wie ein Tauchkurs: Mutig zu einer bereichernden Exkursion durch das Verlassen der persönlichen "Komfortzone" der Bequemlichkeit aufbrechen, des Vertrauten und Sicheren. Sich selbst anders und neu erleben, neue Grenzen erspüren und überschreiten. Eine außerordentlich aufschlussreiche Lektion, deren Erfahrung man in sein alltägliches Lebensfeld einbringt. Wieder ein Gewinn.

Zwei Gäste des Notel

Die persönliche Begegnung statt anonymer Spende, heißt Herz und Sinne öffnen, sich einlassen, sich begegnen lassen. Aber auch: sich abgrenzen lernen, klar, konsequent, ausgerichtet sein. Ein gutes Training auf seinem inneren Entwicklungsweg. Wenn das kein Gewinn ist!?

Frei-willige Arbeit heißt nicht zuletzt auch aktive persönliche Lebensgestaltung. Selbst wählen, was gehört zu meinem Leben, soll zu meinem Leben gehören? Der Arbeitende wird aktiv, durch die eigene Sinngebung auch effektiv, hat neue Begegnungen, Anregungen und einen Austausch und letztlich Anbindung an Gleichgesinnte. Welch ein Gewinn.
Ehrenamt - um die Ehre sollte es eben nicht gehen. Mehr um das selbstgewählte Tun. Helfen, weil uns dadurch geholfen ist? Das ist nicht widersprüchlich, sondern logisch.

Deshalb mein Appell: Warum nicht mal einfach ausprobieren, einen Tag oder eine Nacht im Notel helfen und mal schnuppern, ob es lockt, man sich einlassen mag und offen ist für eine besondere neue Erfahrung.

Nur Mut - ich habe das nicht bereut und kann alle oben beschriebenen Aspekte als Gewinn für mein Leben betrachten.
Viel Spaß - vielleicht sehen wir uns einmal in der Victoriastraße?

verfasst von Kiki Schierbaum (März 2010)

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