Konzept
Notschlafstelle für Drogenabhängige
I. Notschlafstelle und Krisenhilfe als spiritanische Aufgabe
II. Ziele
III.Zielgruppe
V. Organisation
VI.Team
I. Notschlafstelle und Krisenhilfe als spiritanische Aufgabe
Der Träger der Einrichtung ist die Missionsgesellschaft vom
Heiligen Geist (Spiritaner).
In Treue zu den ursprünglichen Intuitionen ihrer Gründer und zur lebendigen
Tradition ihrer Kongregration gehen die Spiritaner, die als Schwerpunkt
ihrer Tätigkeit die Weltmission haben, auch in ihrer Heimat "zuerst zu
denen, die unterdrückt und am meisten benachteiligt sind, dorthin,
wo die Kirche nur schwer Arbeiter findet" (Lebensregel 12).
Als wesentlichen Teil ihrer Sendung und als besonders wichtige Aufgabe
betrachten sie unter anderem "die ganzheitliche Befreiung des
Menschen"(Lebensregel 14) und "den Dienst unter ... gesellschaftlichen
Randgruppen" (Lebensregel 18.1).
So sind die Spiritaner überzeugt, durch ihren sozialen und pastoralen Dienst unter Drogenabhängigen ihr Haus und ihre Kräfte einer Aufgabe zur Verfügung zu stellen, die ganz ihrer Sendung entspricht.
II. Ziele
1. In die Hoffnungslosigkeit der Drogenszene durch den gelebten Glauben der MitarbeiterInnen ein Zeichen der Hoffnung setzen.
2. Die Erfahrung vermitteln, auch als Suchtkranker wertgeschätzt und akzeptiert zu werden und Menschenwürde zu haben.
3. Das Verhindern von körperlicher Verelendung.
4. Den ÜbernachterInnen einen Raum der Ruhe geben, d. h., kein Konsum, keine Geschäfte, keine Konfliktklärung, keine Gewaltandrohung und -anwendung.
5. Verlorengegangene Lebensperspektiven sollen neu entdeckt und Eigenenergie zur Bewältigung von Alltagsproblemen gefördert werden.
6. Die Motivation zu einem abstinenten Leben fördern und Hilfsangebote aufzeigen.
III. Zielgruppe
Aufnahme finden Drogenabhängige ab dem 18. Lebensjahr:
- obdachlose Drogenabhängige,
- Drogenabhängige, die eine Therapie abgebrochen haben,
- haftentlassene Drogenabhängige,
- Drogenabhängige in Krisensituationen.
Die Aufnahme ist grundsätzlich nicht an eine Bedingung gebunden,
ausser dass eine Abhängigkeit von illegalen Drogen und die Bereitschaft,
sich an die Hausordnung zu halten, vorhanden sein muss.
Über die Aufnahme entscheiden die anwesenden MitarbeiterInnen.
IV. Arbeitsschwerpunkte
Die Einrichtung versteht sich als ergänzendes Angebot zu den Drogenhilfeeinrichtungen in Köln. Aufgabe ist nicht Drogenberatung und Therapie, sondern Krisenintervention.
Dazu gehören:
- Aufnahme in einer Krise, im Rauschzustand, im Entzug,
- Gesprächspartner sein,
- Schlafmöglichkeit,
- Essensangebot,
- Gelegenheit zum Wäsche waschen,
- Nutzung der sanitären Einrichtungen,
- Kleiderkammer,
- Aufzeigen von Hilfsangeboten,
- Zuspruch und Bestärkung der eigenen Zielsetzung auf ein
drogenfreies Leben,
- Hilfestellung in konkreten Problemsituationen,
- Spritzentausch
- Kondomausgabe,
- "erste Hilfe".
Dem Drogenabhängigen wird die Möglichkeit geboten, sich für einige Nächte in einem drogen- und gewaltfreien Raum aufzuhalten, zu Ruhe zu kommen, seine körperliche Verfassung zu verbessern und weitere Perspektiven entwicklen zu können. Die Übernachtungsmöglichkeit besteht für den einzelnen nur für eine begrenzte Zeit, um den Notschlafstellencharakter der Einrichtung sicher zu stellen.
V. Organisation
Die Einrichtung hat neun Betten (seit Febr. 2003 zehn Betten) in drei Zimmern: zwei Zimmer für Männer, eines für Frauen. Weiter gehören zur Einrichtung getrennte Sanitärbereiche, eine Küche und eine Waschküche, ein Aufenthaltsraum, ein Büro und die Kapelle.
Seit Juli 2004 stehen in den drei Zimmern des Notel zwölf Schlafplätze bereit (10 Betten ab 20.00 Uhr und zwei Matrazen ab 21.30 Uhr). Das Angebot richtet sich momentan nur an obdachlose drogenabhängige Männer.
Die Einrichtung öffnet um 20.00 Uhr. Aufnahme ist bis 22.30 Uhr möglich.
Wer zum ersten Mal die Einrichtung besucht, muss die Hausordnung
unterschreiben. Zu den Regeln gehören u. a.: keine Gewaltandrohung
oder -anwendung, kein Drogenbesitz, -handel und -konsum, keine
Sexualkontakte.
Von 23.00 Uhr bis 7.00 Uhr ist Nachtruhe. Geweckt wird um 7.30 Uhr.
Die Übernachter müssen die Einrichtung bis 8.30 Uhr verlassen
haben.
Wer gegen die Hausordnung verstösst, erhält ein Hausverbot über
einen Zeitraum, den das Team beschliesst.
Von 18.30 Uhr bis 22.30 Uhr und von 7.30 bis 9.00 Uhr ist an der Tür Spritzentausch und Kondomausgabe.
VI. Team
Zum Team gehören vier pädagogische MitarbeiterInnen mit Vertrag (Leitung, stellvertr. Leitung plus zwei MitarbeiterInnen) und drei MitarbeiterInnen auf Honorarbasis. Von diesen sieben MitarbeiterInnen sind immer zwei im Dienst.
Die Grundlage für ihr soziales und diakonisches Handeln ist das
christliche Menschenbild, das den Menschen als Geschöpf Gottes
nach seinem Ebenbild geschaffen sieht. Somit ist jedes Leben
sinnvoll, weil gottgewollt. Auch in der Arbeit mit den
Drogenabhängigen darf und braucht die Hoffnung niemals aufgegeben
werden, weil Gott das Heil jedes Menschen will.
So bemühen sich die MitarbeiterInnen, die Süchtigen mit den
Augen Gottes zu sehen: liebenswürdig, heilswürdig und hilfsbedürftig.
Sie stehen ihnen in ihrer Krankheit bei und sehen ihre Menschwürde.
Kraftquelle für dieses pastorale Projekt, das eine hohe Frustrationstoleranz erfordert, ist eine lebendige Beziehung zu Christus. Damit der Glaube des einzelnen nicht anonym und im Privatbereich bleibt, gibt es eine Kapelle und feste Gebetszeiten. Ziel ist nicht Bekehrung, sondern als Christen präsent sein und aufgrund des Glaubens Hoffnung vermitteln. Tragend ist die Grundaussage des Alten Testaments "Ich bin der, der da ist". So liegen die Gebetszeiten bewusst ausserhalb der Öffnungszeiten, sind aber für Gäste offen.
Die Dienstzeit liegt zwischen 18.30 Uhr und 9.00 Uhr.
Gegen 18.45 findet das Abendgebet bzw. zweimal in der Woche ein
Gottesdienst statt, um 23.00 Uhr das Nachtgebet und um 8.45 Uhr
das Morgengebet.
VII. Sonstige Mitarbeiter
Die MitarbeiterInnen werden unterstützt von PraktikantInnen, studentischen Honorarkräften, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und einer Reinigungskraft. Pro Abend und Morgen sind insgesamt drei KollegInnen anwesend, pro Nacht zwei. Hinzu kommen sogenannte "Springer", d. h. Fachkräfte, die Urlaubs- und Krankheitsvertretung von Teammitgliedern übernehmen.
